Weltklasse Tauchen auf den Philippinen

23 06 2012

Unser nächstes Reiseziel nach Japan waren die Philippinen. Die Inselgruppe liegt im westlichen pazifischen Ozean und besteht aus insgesamt 7107 Inseln, von denen 3144 mit einem Namen versehen und etwa 880 bewohnt sind. Damit bildet das Land den fünftgrößten Inselstaat der Welt nach Indonesien, Madagaskar, Papua-Neuguinea und Japan. Insgesamt leben gut 92 Mio Einwohner auf den Inseln, die zum Großteil dem Christentum angehören. In keinem asiatischen Land haben wir so wenige Tempel, dafür aber überall Kirchen sehen können wir hier. Das Land ist das größte christlich geprägte in Südostasien und Grund dafür war die Ankunft der Spanier 1521, die erfolgreich den Großteil des Landes christianisierten. Lange Zeit standen die Philippinen unter unterschiedlichen Kolonialherrschaften – zuerst meldeten die Spanier Besitzanspruch an, danach die Amerikaner. Der Einfluss der früheren Kolonialmächte macht sich noch heute in vielen Lebensbereichen bemerkbar – stärker, als in anderen asiatischen Ländern mit Kolonialvergangheit – und deshalb werden die Philippinen auch gern als unasiatischstes Land Asiens bezeichnet.

Wir landeten am Abend des 21. Mai in Manila und übernachteten im Nicholas Airport Hotel und – wie der Name schon sagt –  nahe des Flughafens, weil wir uns nach vielen negativen Berichten zur Hauptstadt der Philipinnen entschieden hatten, diese auszulassen und am nächsten Tag direkt auf eine der Inseln weiterzufahren. Wir wollten toll tauchen, jedoch möglichst keine 24 Stunden Anreise in Kauf nehmen müssen, sodass wir uns zunächst für die Tauchhochburg Puerto Galera bzw. die angrenzenden Strände entschieden, die innerhalb von zwei Stunden Busfahrt plus einer Stunde Bootsfahrt von Manila aus erreichbar sind. Der Transport am nächsten Tag verlief problemlos, und auf der Busfahrt zum Bootsanleger in Batangas staunten wir über die unzähligen Fastfood-Restaurants (sämtliche Ketten waren vertreten!) rechts und links des Highways, die uns kurz vergessen ließen, dass wir uns in Asien und nicht in Amerika befinden. Das Gute am Einfluss ebendiesen Landes ist jedoch, dass auf den Philippinen fast jeder meist gut verständliches Englisch spricht und das Reisen dadurch erleichtert wird.

Unser erstes Ziel auf der Insel Mindoro war White Beach, ein Strand östlich von Puerto Galera. Dort angekommen waren wir jedoch erstmal enttäuscht: Wir hatten uns einen schönen, tropischen und weissen Sandstrand vorgestellt, landeten jedoch an einer Beach mit nur mäßiger Schönheit und – naja – wohl eher gelbem Sand, dafür jedoch vollgebaut mit Restaurants (die meisten mit großen Werbetafeln von allseits bekannten amerikanischen Softgetränken) und Shops – von den erhofften idyllischen Bungalows am Strand war jedoch nichts zu sehen. Und obwohl im Mai bereits Nebensaison auf den Philippinen herrscht, war der Strand doch recht gut bevölkert! Auf den Schreck machten wir erstmal Mittagspause (wir suchten uns aus der Karte mit riesigem Fastfood-Angebot wohl die beiden einzigen asiatischen Speisen aus, die aber lecker waren) und checkten den Reiseführer nach Alternativen in der Umgebung. Am White Beach wollten wir nicht bleiben, besonders nachdem wir uns einige Unterkünfte in zweiter Reihe angeschaut hatten, die nicht nur ziemlich schäbig sondern auch unverhältnismäßig teuer waren. So fuhren wir nach dem Lunch mit einem Tricyle, neben dem Bemo eines der beiden typischen philippinischen Fortbewegungsmittel, zum nächsten Strand Aninuan, wo es jedoch nur zwei Hotels gibt, die beide recht teuer sind und zudem nicht so schön, als das wir mehr ausgeben wollten als geplant. So fuhren wir – mittlerweile schon recht frustriert – noch einen Strand weiter nach Tamaraw Beach, wo wir letztlich einen zwar sehr einfachen aber äußerst preisgünstigen (13 Euro) Bungalow im Mountain View Ressort fanden und uns dort für die nächsten zwei Nächte einmieteten. Wir waren wohl die einzigen Gäste dort und wurden im dazugehörigen Restaurant jedes Mal wahnsinnig schnell und freundlich von den netten Mädels bedient und das Essen war mit viel Liebe gekocht und schmeckte ausgesprochen gut!

Für den nächsten Tag hatten wir bereits einen Tauchausflug mit den Pazific Divers gebucht, einem Tauchshop am White Beach. Der Inhaber, Didier, Franzose, lebt schon seit einer Ewigkeit auf den Philippinen, spricht 5 Sprachen (mindestens!) und holte uns am nächsten Morgen pünktlich ab. Nach der Auswahl des Equipments ging’s auch schon bald zum ersten Tauchplatz, dem Manila Channel. Nach dem doch eher enttäuschenden Tauchgang im Great Barrier Riff waren wir diesmal sehr begeistert. Die Unterwasserwelt vor Puerto Galera ist farbenfroh und äußerst vielfältig. Es gibt Korallen in allen Farben und Formen, viele Fische und beeindruckende Kleinstlebewesen zu bestaunen. Highlights unserer beiden Tauchgänge war eine Seeschlange, ein Octopus, riesige Muscheln (ca. 80 cm) und ein Skorpionfisch. Und auch Robbe hatte diesmal genau wie Heike damals auf Koh Tao das Vergnügen, von einem Triggerfisch in die Flosse gebissen zu werden. Wieder ein fieser Angriff aus dem Hinterhalt! Triggerfische gab es diesmal wieder ganz schön viele, und ein besonders grosses Exemplar zwang uns sogar zu einem Umweg – denn selbst unser Guide hatte Respekt und wies uns an, in eine andere Richtung zu schwimmen. Besonders beim ersten Tauchgang herrschte stärkere Strömung vor, was neu für uns war und wir uns erst einmal daran gewöhnen mussten. Ansonsten waren die Tauchgänge jedoch super und haben sich sehr gelohnt.

Am nächsten Tag ging’s weiter nach Puerto Galera, wobei sich dieser Ort aus unser Sicht überhaupt nicht als Übernachtungsmöglichkeit eignet, obwohl dort viele Tauchbasen zu finden sind. Es gibt keinen Strand und der Ort selbst ist nicht wirklich schön. Wir fuhren deshalb weiter nach Sabang, wo wir uns am Vortag bereits ein Ressort an der Small La Laguna Beach ausgesucht hatten, welches momentan auf Platz 1 bei tripadvisor steht. Das Blue Ribbon Ressort ist wirklich eine Oase im ansonsten nicht wirklich schönen Sabang und hat alle guten Bewertungen wahrlich verdient! Wir zogen also in das aus unserer Sicht schönste Bungalow, direkt am Pool gelegen im hinteren Teil des Gartens. Der Bungalow war riesig und sehr schön gestaltet mit allem was man zum Leben braucht. Da wir auch tauchen wollten und es ja bereits Nebensaison war, bekamen wir für das Bungalow noch einen satten Rabatt und waren mit dieser Wahl sehr glücklich. Der Strand vor dem Ressort und auch die benachbarten Beaches sind nicht wirklich schön und für einen Badeurlaub nicht geeignet. Dafür kann man jedoch richtig gut schnorcheln, es gibt tolle Korallen und wir haben eine Schildkröte, mehrere Seeschlangen und viele Fische gesehen. Außerdem hatten wir ja noch unseren tollen Pool mit Jacuzzi vor der Terrasse, in dem man es bei den fast schon unangenehm hohen Temperaturen so kurz vor Beginn des Monsuns (tagsüber 36 Grad, nachts 27…) am besten ausgehalten hat. Sabang als Ort ist auch eher unansehnlich, aber immerhin fanden wir dort unser „Stammrestaurant“ fürs Mittagessen, wo es ein extrem leckeres Chicken Curry gab und auch die Roulade mit Kartoffelbrei ein bisschen ans Festtagsessen zuhause erinnerte 😉 Richtig krass war das Klientel, welches während unseres Aufenthaltes in Sabang dort anzutreffen war: In den ersten Tagen sahen wir kaum jüngere Touristen wie wir sie sind, sondern vor allem ältere Westler an der Seite von teilweise blutjungen philippinischen Frauen, die für Geld scheinbar alles machen würden. Das war schon extrem auffällig dort und viel schlimmer als in Thailand oder irgendwo sonst in Asien.

Während der nächsten Tage absolvierten wir beide noch je fünf Tauchgänge mit dem Blue Ribbon Diveteam. Unser Diveguide Marco ist ein Deutscher aus Chemnitz, der bereits seit 9 Jahren auf den Philippen lebt, über 3000 Tauchgänge vorzuweisen hat und dabei jedoch noch so extrem sächselt, dass man meinen könnt, er wäre nie aus seiner Heimat fortgewesen ;-). Marco kennt die dortigen Divesites wie seine Westentasche und wir haben uns an seiner Seite immer sehr gut aufgehoben gefühlt. Erneut haben wir mehrere Strömungstauchgänge absolviert, was nach wie vor anstrengender ist als im ruhigen Wasser zu tauchen, wir aber so natürlich auch mehr Erfahrung sammeln und immer besser werden. Highlights dieser Tauchgänge war ein kleines Wrack – unser erstes unter Wasser – was richtig cool zu tauchen war! Ganz toll waren auch die vielen Nudibranchs, also zb farbenfrohe Schnecken und andere kleine Tiere, die es dort zu sehen gab. Ein weiteres Highlight war zudem unser Fluo-Nachttauchgang. Ausgestattet mit fluoreszierenden Lampen und Farb-Filtern auf der Taucherbrille haben die Korallen neonfarben geleuchtet – etwa so wie das weisse T-Shirt im Schwarzlicht. Diese Unterwasser-Disko wurde lediglich gestört von der starken Strömung, mit der wir teilweise ganz schön zu kämpfen hatten. Solche Strömungen sind für uns ja wie geschrieben bereits am Tage noch ungewohnt, aber wenn es dann noch dunkel ist und man den Tauchplatz überhaupt nicht kennt, fällt es schwer, die Orientierung zu behalten. Am Ende war alles natürlich halb so schlimm, und wir waren wieder um eine tolle Erfahrung reicher.

Nach drei Nächten im Blue Ribbon Ressort wollten wir eigentlich für die verbleibenden vier Nächte auf eine andere philippinische Insel umziehen, aber am Ende siegte die Faulheit, denn wir hatten keine Lust, 24 Stunden Reisezeit  in Kauf zu nehmen und wollten das gesparte Geld lieber in weitere Tauchgänge investieren. So tauchten wir noch zweimal, genossen unsere Abende auf der Terrasse und im Hotel-Restaurant, wo uns die süßen Kellnerinnen mittlerweile  natürlich schon kannten und uns unsere Wunsch-Getränke immer schon auf den Tisch stellten, ohne das wir dafür noch eine Bestellung aufgeben mussten. Am vorletzten Tag unserer Zeit auf den Philippinen liehen wir uns noch ein Motorrad aus und erkundeten die Umgebung von Puerto Galera. Unter anderem besuchten wir einen Wasserfall, fuhren einige Beaches an und genossen von einem Aussichtspunkt tolle Blicke auf die mit Regenwald bewachsenen hohen Berge im Landesinneren und den eindrucksvollen Naturhafen von Puerto Galera.

Tja, und dann hieß es auch schon wieder Abschied nehmen, leider – denn die Philippinen haben uns ausgesprochen gut gefallen. Man kann wunderbar und sehr kostengünstig tauchen, die Filipinos sind sehr freundliche und herzliche Menschen. Bisher sind die Inseln noch nicht so überlaufen wie ähnliche Reiseziele und wir haben leider nur einen Bruchteil davon über und unter Wasser gesehen. Deshalb ist für uns klar, dass wir irgendwann nochmal wiederkommen werden!

Der letzte Abend vor unserem Abflug hat uns nach der äußerst entspannten Zeit jedoch auf eine harte Probe gestellt und viele Nerven gekostet. Los ging es damit, dass wir in Sabang anstatt das Bootes um 13 Uhr eines um 14 Uhr nehmen mussten, da sich die Reedereien anscheinend die Passagiere aufteilen und das Boot um 14 Uhr noch zu leer war (wie waren kurz vor 13 Uhr am Pier und hätten das 13 Uhr Boot, was noch Plätze hatte, eigentlich geschafft…) Aber gut, wir hatten ja noch 8 Stunden bis zum Abflug, das sollte für (normalerweise) 3 Stunden Transport-Zeit ja wohl ausreichen. Irgendwann in Batangas angekommen, bestiegen wir einen eisgekühlten Bus nach Manila, der allerdings ewig nicht losfuhr, weil angeblich noch auf ein weiteres Boot gewartet wurde. Irgendwann mussten wir nochmal den Bus wechseln und er fuhr gegen 16.30 Uhr endlich los. Immer noch genügend Zeit wie wir dachten. Tja – bis wir ca. 40 km vor Manila in einen Stau gerieten und es von dort an nur noch in Schrittgeschwindigkeit weiterging. Die Minuten verstrichen – erst langsam – alles kein Problem dachten wir – dann jedoch immer schneller, bis nur noch eine Stunde Zeit bis zum Check-In-Schluss blieb und wir auch noch einen Rucksack aus dem Airport-Hotel holen mussten, den wir dort für die 10 Tage gelagert hatten. Irgendwann war klar: Wir müssen aus diesem Bus raus, um den Flug noch irgendwie zu schaffen. So stiegen wir in der Nähe des Flughafens (Google Maps sei Dank, sonst hätten wir überhaupt nicht gewusst, wo wir uns in diesem Drecksloch Manila befinden) in ein Taxi, und verklickerten den bereits in die Jahre gekommenen Taxifahrer, dass wenn er nicht bald aufhört so zu schleichen und ein bisschen auf die Tube drückt wir unseren Flug verpassen und wir ihn dafür verantwortlich machen… 😉 Ganz so argumentierten wir natürlich (noch) nicht, aber spätestens als er auch noch den falschen Weg zum Hotel einschlug (obwohl er uns zu Anfang sagte, klar weiß er wo es ist…) wurden wir ziemlich ungehalten und sahen unseren Flieger schon ohne uns abheben. Keine Ahnung, was wir ohne Google Maps gemacht hätten, mit dessen Hilfe wir dem Taxifahrer dann den richtigen Weg zum Hotel gewiesen haben. Robbe stürzte dort aus dem Auto, holte in Windeseile unsere Sachen und vollbepackt auf der Rücksitzbank ging’s endlich zum Flughafen, wo sich der Verkehr schon wieder staute. Aber Ende gut, alles gut: Obwohl wir es fast nicht mehr für möglich hielten, kamen wir gerade noch rechtzeitig am Flughafen an. Dem Taxifahrer haben wir an diesem Abend mit unserer Aktion und den Flüchen von der Rücksitzbank wohl ebenfalls den letzten Nerv geraubt, aber der war auch so lahmarschig und blöd, da konnten wir nicht anders….

Auf alle Fälle waren wir fix und fertig, aber auch heilfroh, als wir im Flieger nach Singapur saßen und werden den letzten Abend auf den Philippinen wohl nicht so schnell vergessen.

Coming next: Heiß, heißer – Singapur!

 

 



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