Roadtrip Australien Part 1

10 05 2012

Stationen: Blue Mountains – Newcastle – Waterfall Way – National Parks – Ballina
km: 1304

Unser Australien-Abenteuer begann mit einem Abstecher in die Blue Mountains, der uns ca 60 km weiter westlich von Sydney führte. Die Blue Mountains sind Teil der Great Dividing Range, Australiens größtem Gebirgszug. Diese erstreckt sich die gesamte Ostküste entlang, teilt sie vom Inland ab und hat großen Einfluss auf das Klima Australiens.
Die Blue Mountains selbst sind ein Sandstein-Plateau, in welches Flüsse tiefe Täler gegraben haben. Im Dezember 2000 wurden diese vor allem wegen der Artenvielfalt der Eukalyptusbäume zum Weltnaturerbe der UNESCO erklärt. Die Blätter des Eukalyptus verdunsten ein Ätherisches Öl, deren feiner Nebel über den Bergen liegt und bei Tageslicht einen blauen Schimmer verursacht und den Blue Mountains den Namen gibt. Den blauen Schimmer konnten wir zwar nicht erkennen, genossen jedoch trotzdem zwei schöne Tage in den Bergen.
Unsere erste Nacht im neuen Camper hatten wir gut überstanden und im Morgengrauen ging es direkt los Richtung Blue Mountains. Wir steuerten zunächst eine Information an und besorgten uns Karten zu möglichen Wanderungen. Wir bekamen eine ellenlange Liste von Walks, und netterweise markierte uns die Dame ihre Favorits, sonst hätten wir uns wohl gar nicht entscheiden können. Unsere erste Wanderung unternahmen wir bei den Wentworth Falls und liefen den 6 km langen National Pass durch das Valley of the Waters. Der Weg führte eine weite Strecke direkt an den Sandsteinklippen entlang, wir passierten einige kleinere und größere Wasserfälle (teilweise rieselte vom Felsen weiter oben das Wasser auf unsere Köpfe und es fühlte sich an wie Nieselregen) und am Ende der Strecke ging es ordentlich bergauf, bis wir zurück zum Parkplatz gelangten. Unterwegs überholten wir eine opernsiegende Japanerin und staunten, wie sie bei dieser Anstrengung noch Luft zum trällern haben kann.
Zurück beim Camper ging es weiter zu den Three Sister, der Hauptattraktion und dem Wahrzeichen der Blue Mountains. Aus einem riesigen Tal ragen drei Felstürme heraus, die man von einer Aussichtsplattform aus bestaunen kann. Hier trafen wir dann auch auf eine stattliche Anzahl von Touris, wobei sich das immer noch in Grenzen hielt. Wir unternahmen hier einen kurzen Walk Richtung der Schwestern und auf dem Weg zum angepeilten Campingplatz für die Nacht fiel uns noch der Wegweiser zum Evans Lookout ins Auge, den wir natürlich nicht ignorieren konnten, und fuhren noch schnell die paar Kilometer zum Aussichtspunkt. Die Sicht über das Tal war beeindruckend, aber mehr noch bleibt uns das Gehörte in Erinnerung: Als wir auf dem Lookout standen und über das Tal schauten, hörte es sich an, wie wenn tausend kleine Glöckchen klingen würden. Nein, Schafe waren das nicht, sondern die Vögel im Valley – auf jeden Fall eine sehr ungewöhnliche, tolle Geräuschkulisse.
Bevor wir endgültig unseren Campingplatz erreichten, füllten wir das erste Mal unseren Wassertank auf und bemerkten dabei, dass der Schlauch mind. an 5 Stellen Löcher hat und nur die halbe Menge an Wasser im Tank ankommt, wohingegen die andere Hälfte springbrunnenartig aus den Löchern geschossen kam. Das geht ja schon gut los, dachten wir uns, wer weiss welche böse Überraschungen unser neuer Camper noch für uns bereithält…

Irgendwann kamen wir endlich auf unserem kostenlosen, total gemütlichen Campingplatz am Megalong Valley (so hiess das Tal wirklich ;-)) an und waren beim Blick auf die Uhr nach dem Abendessen ziemlich erschrocken, denn wir waren schon bettfertig, die Uhr zeigte allerdings erst 19.30 Uhr an! 🙂 Tja, daran sollten wir uns die nächsten 4 Wochen gewöhnen müssen: In Australien wird es momentan gegen 18 Uhr dunkel und wenn man auf dem Land unterwegs ist, gibt es danach auch nicht mehr viel zu tun. Aufgrund einer Menge Kollisionen von Autos und Kängurus nach Sonnenuntergang war es uns zudem eigentlich nicht erlaubt, abends zu fahren (ab und an ging es nicht anders…), und so kam es, dass wir während der letzten vier Wochen unseren Rhythmus der Sonne und dem Mond anpassten und mit dem Sandmann ins Bett gingen und den Hühnern aufstanden.

Den folgenden Tag starteten wir mit einem tollen Walk durch den sog. Grand Canyon und stellten wieder mal fest, dass die vorgegebenen Zeiten für Walks in Australien mind. in 2/3 dieser geschafft werden können, ohne zu hetzen. Wir fanden diesen Walk mindestens genauso schön wie den Gestrigen, denn er war sehr abwechslungsreich und führte durch dicht bewachsene, schattige Waldlandschaften, über Bäche und Flüsse und an Klippen entlang. Nach knapp 2 Stunden waren wir wieder beim Camper und nach einer kurzen Mittagspause ging’s zum Lake Lyell, der uns nicht wirklich überzeugte und wir direkt weitergefahren sind zum Walls Lookout. Nach einem 1,5 km langen Walk gelangt man auf eine Aussichtsplattform, die einem bei einem falschen Schritt 50 Meter in die Tiefe befördert. Das war schon krass, keine Absperrung weit und breit, da wird einem ganz schön flau im Magen. Zwar gab es einen Warnhinweis am Anfang des Tracks aber Absperrungen – Fehlanzeige! Eigentlich total Australien-untypisch, wo alles doppelt und dreifach abgesichert ist. Danach sind wir noch ein ganzes Stück weiter gefahren, bis wir auf einem Rastplatz nahe der Stadt Ourimbah geschlafen haben. Und das ist wieder toll an Australien, es gibt viele Rastplätze für Camper, ausgestattet mit Toiletten, Feuerstellen und manchmal sogar Barbecues, die richtig gemütlich sind und null Dollar kosten.

Am 13.04. ging’s nach dem Frühstück weiter Richtung Norden. Wir besuchten das Blackbutt Reserve in Newcastle und bestaunten süße Koalas – leider die Einzigen, die wir auf unserer Australien-Reise zu Gesicht bekamen. 🙁 Danach ging’s zum Lake Liddel, wo sich laut unseres Camperatlas‘ ein kostengünstiger Campingplatz befinden sollte. Der Lake war ok, wenn auch mit Aussicht auf ein Heizkraftwerk, der wirklich gemütliche und billige Campingplatz jedoch voll. Weiter ging’s deshalb zum Lake Glenbaum, wo es durchaus noch Plätze auf dem Campingplatz gegeben hätte, jedoch viel teurer als im Atlas geschrieben. Nervig! Wir fuhren weiter nach Gundy, wo wir endlich Glück hatten und für 15 Dollar auf dem dortigen Show Ground unterkamen, der als Campingplatz umfunktioniert wird, wenn gerade kein Schafschur-Wettbewerb oder Rodeo stattfindet. Auch wenn sich die Verkabelung an die Stromdose recht schwierig gestaltete: Irgendwann hatten wir Power und heiße Duschen. Den Abend verbrachten wir mit passiver und aktiver Recreation, wie es hier manchmal so schön heisst: Heike war joggen und Robbe Vögel fotografieren 🙂 Jedem das seine also, aber einen schönen Abend auf dem Campingplatz hatten wir allemal.
Der nächste Tag startete mit der Fahrt zum Waterfall Way, einer Strecke, bei der man wie der Name schon sagt viele Wasserfälle anschauen kann. Wir machten beim ersten Wasserfall, der ausgeschildert war, einen kurzen Spaziergang und fuhren dann in den New England National Park auf einen schönen, kostenfreien Campingplatz. Das Wetter wurde gegen Abend immer schlechter, bis es irgendwann anfing zu nieseln. Wie immer saßen wir schon gegen halb sieben beim Abendessen, als es an unsere Campertür klopfte und eine nette Rangerin (Anita und deutsch, wie sich später herausstellte) uns einlud, an einer Nachtwanderung teilzunehmen, die an diesem Abend noch im Nationalpark stattfinden würde. Mit Müh und Not konnten wir diese Aktivität in unseren prallgefüllten, abendlichen Terminkalender einschieben und sagten Anita zu ;-). Um 19.30 Uhr war Treffpunkt auf einem anderen Campingplatz einige Minuten von unserem entfernt und Anita und ihr Rangerkollege erzählten uns und ca. 20 anderen Nachtwanderern – vor allem Familien mit vielen Kindern – was wir hoffentlich gleich alles zu sehen bekommen. Da es immer noch etwas nieselte, stellte man uns schon in Aussicht, dass die Tierchen bei diesem Wetter vielleicht etwas weniger aktiv seien als normalerweise, aber wir waren alle frohen Mutes, wenigstens ein, zwei Waldbewohner zu Gesicht zu bekommen bzw. diese anhand der im Taschenlampenschein leuchtenden Katzenaugen zumindest zu lokalisieren. Aber es kam so wie es immer kommt, wenn Heike und Robbe auf Tiersuche gehen: Wir sahen rein gar nichts, keinen einzigen Waldbewohner 🙁 Dafür latschten wir auf matschigen Waldwegen herum und der Ranger, dessen Gruppe wir uns angeschlossen hatten, erzählte uns einiges über die normalerweise anwesenden Waldbewohner. Das Highlight des Ausfluges war dann jedoch, als er anfing, extrem bescheuerte Vogelstimmen nachzumachen in der Hoffnung, dass ihm eine Eule oder irgendein anderes Flattertier darauf antwortet. Geantwortet hat natürlich gar nichts (wir dachten erst, er und Anita hätten sich abgesprochen und sie würde auf sein seltsames Gekrächze reagieren ;-)), und während die Kids gespannt lauschten, konnten sich einige der Erwachsenen aufgrund der äußerst kuriosen Situation mitten im Wald nicht mehr halten vor Lachen und es wurde gekichert wie damals in der Schule ;-).
Mit unseren schwächlichen Taschenlampen leuchteten wir uns danach den Weg zurück zum Camper und gingen mit dem guten Gefühl ins Bett, heute Abend wenigstens noch ein klein wenig Spannendes erlebt zu haben.
Der nächste Tag stand wieder ganz im Zeichen von weiteren Nationalparks. Zunächst fuhren wir nochmal in den New England National Park und liefen dort den Eagles Nest Walk – eigentlich eine Wanderung mit vielen schönen Ausblicken, aber der Morgennebel hielt sich so hartnäckig, dass wir leider fast nichts außer diesem sahen. Dann ging’s in den Dorrigo Nationalpark, wo es einen sehr schönen Walk zu einem Wasserfall sowie einen Aussichtspunkt über dem Regenwald gibt. Hier kamen wir das erste Mal mit kleinen Blutegeln in Berührung, die sich liebend gern ihren Weg die Beine hinauf bahnen um sich an einer dicken Ader festzusaugen. Glücklicherweise haben wir die Viecher immer schon vorher bemerkt, bevor sie sich irgendwo andocken konnten, aber ekelig war’s allemal! Den Abend verbrachten wir mit Einkaufen in Grafton, einer kleinen Stadt in der Nähe der Küste und schliefen etwas außerhalb der City ganz gemütlich am Rande eines Sportplatzes.
Der 16.04. startete mit der Fahrt zum Bunjalung Nationalpark und wir suchten uns einen wenig gelaufenen Walk durch den Wald aus, wo wir extrem viele Spinnen und hunderte kleine Krebse am Flussufer zu Gesicht bekamen. Blutegel gab es leider auch wieder und diesmal hatte sich sogar einer an Heikes Fuß angesaugt. Ekelig war das, und wir hatten zurück beim Camper erstmal ne Weile damit zu tun, unsere Schuhe und Beine von weiteren verirrten Blutsaugern zu befreien. Danach gings endlich mal wieder zum Strand, genauer gesagt in den Broadwater Nationalpark, wo wir einen kurzen Spaziergang am Meer unternahmen und die Sonne genossen. Von dort aus fuhren wir nach Ballina, der Stadt der großen Garnele. Wenn man in den Ort reinfährt, gibt es ein Restaurant, auf dessen Dach eine Riesengarnele steht, quasi das Wahrzeichen des Ortes. Ironie des Schicksals allerdings, dass dieses Restaurant momentan geschlossen ist und zum Verkauf steht. In Ballina kauften wir nochmal ein und fuhren dann weiter Richtung Byron Bay. Nahe der kleinen Ortschaft Lennox Head waren wir auf der Suche nach einem Schlafplatz für die Nacht und entdeckten einen kleinen Feldweg, den wir kurzerhand reinfuhren und vor einer Art Geräteschuppen und Garage für Mähdrescher parkten. Weit und breit war kein Haus oder Mensch zu sehen und wir hofften und dachten, dass wir hier die Nacht verbringen könnten. Leider falsch gedacht, nach ca 15 min kam ein Jeep angefahren, stoppte direkt vor unserem Camper und ein wütender Bauer klopfte und schnauzte uns an, dass wir hier auf privatem Land stehen und uns ganz schnell verziehen sollten. Sein Blick duldete keine Einwände und so blieb uns nichts anderes übrig, als zurück zur Straße zu fahren und erneut auf Schlafplatzsuche zu gehen. Kein Schild deutete darauf hin, dass es privates Gelände war, und einen Zaun gab es auch nicht. Er fuhr uns noch eine ganze Weile hinterher, wohl um sicherzugehen, dass wir ja nicht wiederkommen.
Letzlich half uns unser Atlas, eine schöne, kostenfreie Rest Area nahe Byron Bay zu finden, wo wir zusammen mit anderen Campern die Nacht verbrachten. Zwar mussten wir noch eine Weile fahren, aber das war es uns wert und Abstecher in irgendwelche Feldwege streichen wir dann mal von unserer Aktivitätenliste bei der Schlafplatzsuche ;-)!

Coming next: Roadtrip Australien Part 2



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