Ein Tag in Indiens Hauptstadt

7 12 2011

Am 1. Dezember wachten wir morgens im Zentrum Delhis auf. „Gestärkt“ vom Frühstück, dass wie schon seit Wochen auch wieder einmal aus Toast mit wahlweise Marmelade und/oder Ei bestand (oh man hängt uns das zum Halse raus, aber morgens schon mit indischer Kost zu starten, bringen wir auch nicht über uns) machten wir uns auf, um die wenigen Stunden in Delhi sinnvoll zu nutzen. Unser Flieger nach Bangkok wurde einige Stunden vorverlegt und so mussten wir schon 18 Uhr abends wieder am Flughafen sein. Delhi hat ca. 12,8 Mio Einwohner und besteht grob aus Old und New Delhi. Old Delhi ist die Altstadt, war einst Hauptstadt des islamischen Indiens und ist ein chaotisches Gewirr aus mittelalterlichen Gassen und engen Straßen. New Delhi wurde von den Briten als Hauptstadt ihrer Kolonie gebaut. New Delhi ist sehr modern, hat breite Straßen und Alleen und ähnelt durchaus westlichen Großstädten.
Mit der überfüllten Metro (Delhi ist Indiens einzige Stadt, in der es eine Metro gibt, Jaipur wird folgen) ging’s zunächst zum roten Fort, was wir diesmal aber nur von außen bestaunten. Das Red Fort oder Lal Qila stammt aus der Blütezeit der Moguln und man liest, dass es dort früher einmaligen Prunk, Eunuchen, geschmückte Elefanten, Sänftenträger und all das gab, was man sich unter früherer indischer Dekadenz vorstellt. Die noch heute erhaltene Festungsmauer erstreckt sich über 2km am Fluss Yamuna entlang.
Ganz in der Nähe des Forts steht die Jama Masjid, Indiens größte Moschee, in der 25.000 Menschen Platz finden. Sie war das letzte Großprojekt von Shah Jahan, der auch den Taj Mahal erbauen lies. Sie besteht im Wesentlichen aus rotem Sandstein und weißem Marmor und wird an beiden Seiten von zwei 40 Meter hohen Minaretten begrenzt. Während der Gebetsstunden, in diesem Falle zur Mittagszeit, ist die Moschee für Nicht-Muslime geschlossen, sodass wir die Zeit nutzen, bei Karims den besten Kebab der Stadt zu essen. Das Restaurant befindet sich versteckt in der Nähe der Moschee in einer der Seitenstraßen, aber wenn man nach Karims fragt wissen die meisten Leute Bescheid und weisen einem den Weg. Wir bestellten Lamm- und Hähnchenkebab sowie Naan und wurden nicht enttäuscht: Lecker!! Das Brot war eines der besten, was wir in Indien bekommen haben und auch der Kebab war lecker gewürzt und schmeckte fantastisch. Robbe, der die letzten Wochen meist vegetarisch gegessen hatte, konnte kaum genug bekommen 🙂
Danach ging’s zur Moschee und da wir nicht für zwei Kameras bezahlen wollten (der Eintritt ist frei aber für Kameras muss man zahlen) wartete Heike draußen auf der Treppe vor der Moschee und beobachtete die Strassenkinder am Fusse der Treppen, die es in Delhi zu Hauf gibt. Da war so ein kleines Mädel, vielleicht 2-3 Jahre alt, saß die ganze Zeit auf einer Stelle und hat irgendwas gegessen, war dreckig und Haare total zerzaust, aber auch so süss. Eine Frau, vielleicht die Mutter, auch total heruntergekommen, hat ihr irgendwann den Becher aus der Hand genommen und was anderes gegeben, und ist dann wieder weggegangen. Die Kleine war die ganze Zeit alleine dort und hat dann irgendwann gepinkelt, und saß da in ihrer eigenen Pinkel und hat weiter an irgendwas gegessen. Das zu sehen zerreißt einem wirklich das Herz, die Kleine war noch so jung und wurde in so ein Sch…-Leben geboren. Hätte sie am liebsten aufgehoben und mitgenommen. Aber auch das ist Indien und nur eines der Probleme, die aus Überbevölkerung und Armut resultieren. Man kann nur hoffen, dass das Wirtschaftswunder Indien diese Probleme in den nächsten Jahren einigermaßen in den Griff bekommt, bevor die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander klafft und sich diese Probleme noch vergrößern.
Nachdem Robbe seine Runde mit Cam in der Moschee gedreht und das Minarett erklommen hatte, schaute Heike ebenfalls noch in den Innenhof, wobei das Minarett nur in Begleitung eines Mannes besucht werden darf. Von der Jama Masjid ging’s dann Richtung Neu-Delhi zum Humayun’s Tomb, das größte mehrerer Grabmäler, welche in 12 Hektar großen, symmetrisch angelegten Gärten zu finden sind. Das größte Grabmal ähnelt dem Taj Mahal, jedoch mit eigenem Stil und wurde vor dem Taj Mahal im 16.Jh erbaut. Leider hatten wir nicht soviel Zeit, hier länger zu verweilen, obwohl man herrlich spazieren gehen und die Ruhe inmitten des hektischen Delhis genießen kann. Der TukTuk-Fahrer, der uns bereits von der Moschee zum Grabmal und weiter zurück zum Hotel brachte, war wieder einmal einer von der lebensmüden Sorte: Durch jede noch so kleine Lücke oder Passage drängelte er sich durch, wechselte die (unmarkierten) Spuren auf der 6-spurigen Straße völlig unvorhersehbar und schneller als Robbe es in Berlin je gewagt hätte (und jeder der schonmal mit ihm mitgefahren ist weiß wovon hier die Rede ist)… Und er hatte zudem noch einen Tick, seinen Kopf unkontrolliert nach rechts und links zu drehen. Hilfe! Am Hotel angekommen, haben wir wieder einmal eine Fahrt ähnlich eines Himmelfahrtskommandos auf indischen Straßen überlebt.
Naja, und dann hieß es auch so langsam Abschied nehmen vom „Incredible India“, und wir flogen mit einstündiger Verspätung um halb zehn von Delhi mit Air Asia in unser geliebtes Bangkok. Diese Connection ist wirklich günstig, wir zahlten gerade mal 80 Euro pro Person für den 4 stündigen Flug. Trotzdem war das alles wieder mal ganz schön anstrengend, da es leider Heike den ganzen Tag schon magenmäßig ziemlich übel ging. Wir waren deshalb heilfroh, als wir gegen halb vier in das vorab gebuchte Hotel „Dreams“ im Sukhumvit Viertel eincheckten und im himmlisch weichen und kuscheligen Bett lagen. Das war wirklich ein „Traum“ und nach den sehr anstrengenden, durchgeplanten Tagen in Indien waren wir froh, in den nächsten Tagen so rein gar nichts  auf der Agenda stehen zu haben. Vielleicht kennt Ihr das, wenn man einen Ort zum zweiten oder dritten Mal besucht: Kein Sightseeing-Druck 🙂

Die vielfältigen Erlebnisse unserer Indien-Reise müssen wir nun erstmal sacken lassen. Indien ist wunderschön, aber definitiv auch kräftezehrend. Haben uns vorgenommen, noch ein Fazit zu schreiben, also bleibt dran 🙂

Coming next: Krankenlager Bangkok



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