Stadt der Bohne – Bangalore

26 11 2011

Am Mittwoch, den 23.11. verließen wir Kerala und flogen am Nachmittag nach Bangalore, das etwas weiter nördlich im Landesinneren, jedoch immer noch im Süden Indiens liegt. Die Stadt ist die Hauptstadt des Bundesstaats Karnataka, hat momentan 5,7 Mio Einwohner und befindet sich auf 920 Metern Höhe. Sie gilt als IT-Hochburg und als die Stadt mit der höchsten Lebensqualität Indiens. Der Name Bangalore oder Bengaluru bedeutet wörtlich „Stadt der gekochten Bohnen“: Einer Legende nach soll eine alte Dörflerin einmal einen hungrigen Hoysala-König, der sich hierher verirrt hatte, gekochte Hülsenfrüchte gereicht haben.
Wir waren also sehr gespannt auf die moderne „Stadt der Bohne“ und auch direkt positiv vom brandneuen Flughafen und dem bequemen Shuttle-Bus in die Stadt angetan. Auf dem Weg zu unserem Hotel nahe der MG Road (=Mahatma Gandhi Road) schlug allerdings wieder das allgegenwärtige Verkehrschaos zu und auch rechts und links der Straße beobachteten wir das typische indische Gewusel – also zunächst mal alles wie immer! Übrigens: Es ist nicht falsch, sich in einer indischen Stadt nahe der MG Road ein Hotel zu suchen. In so gut wie jeder Stadt hier gibts eine Straße die diesen Namen trägt und zweitens ist diese Straße meistens im Zentrum gelegen und bietet einiges an Shopping- und Essensmöglichkeiten.
Wir checkten im Hotel „The Infantry“ ein mit hohen Erwartungen, da das Hotel im Internet super Bewertungen hat. Als wir einen Blick ins Zimmer warfen, trauten wir jedoch unseren Augen nicht: Total alt, heruntergekommen, dreckig und so gar nicht wie auf den Fotos, die wir uns vorher angeschaut hatten. Also zurück zur Rezeption und um ein anderes Zimmer gebeten. Sehr oft haben Hotels teils renovierte, teils unrenovierte Zimmer zu vergeben (und manchmal haben wir das Gefühl, das Rucksackreisende ohne Hemd und Krawatte gerne mal die unrenovierten Zimmer bekommen..). Das mit den unterschiedlichen Zimmerqualitäten innerhalb einer Kategorie ist übrigens nicht nur in Indien so, sondern ganz oft auch in Deutschland (man sollte in jedem Fall um ein anderes Zimmer bitten, wenn das, was man bekommt, nicht dem entspricht, was man vorab zb auf Hotelbildern gesehen hat). Der Typ an der Rezeption stellte sich jedoch erstmal quer und meinte, er hätte kein anderes Zimmer frei. Stornieren ging auch nicht mehr, wir hätten ja nun mal (5min bevor..!?) schon eingecheckt..Nach langem Hin und Her fand sich dann doch noch ein renoviertes Zimmer, welches jedoch nur in einer von zwei benötigten Nächten frei war. Für uns war das ok, zumindest hatten wir damit ein besseres Zimmer für die erste Nacht und nahmen uns vor, für die nächste Nacht ein neues Hotel zu suchen. Nachdem wir nun endlich das Zimmer bezogen hatten, ging’s in ein Restaurant mit Dachterasse in einem Hochhaus (13.Etage) in der Hoffnung, noch ein paar gute Nachtaufnahmen machen zu können. Die Aussicht war allerdings wenig spektakulär (siehe Foto), das Essen dafür umso teurer (wir bezahlten 1900 Rupies, was in etwa 27 Euro entspricht und das bisher teuerste Abendessen überhaupt in Indien war. Zum Vergleich: Meistens bezahlen wir für ein Essen mit Getränken um die 300 bis 600 Rupies = 4 bis 9 Euro für beide).  Und dann war’s auch noch regelrecht kalt auf der Terrasse (Bangalore liegt ja relativ hoch und die Nächte kühlen auf unter 20 Grad ab. Da oben war es zudem noch windig, sodass wir nach zwei Wochen tropischer Hitze das erste Mal gefröstelt haben – von den auf gefühlte 5 Grad heruntergekühlten Bussen mit Klimaanlage mal abgesehen).
Am nächsten Morgen buchten wir dann noch schnell ein anderes Hotel und fuhren auch direkt hin. Dort angekommen mit der Info, wir hätten soeben über Internet ein Zimmer gebucht (und auch bezahlt) meinte der Typ an der Rezeption, das kann nicht sein, denn sie haben keine Zimmer mehr frei und die Info im Netz, es seien noch Zimmer verfügbar ist falsch. Wir meinten daraufhin, dass das nicht unser Problem ist, denn wir haben ja eine Bestätigung erhalten und zudem schon direkt per Kreditkarte bezahlt. Nachdem man uns eine halbe Stunde warten lassen hat (Welcome to India.. aber wir haben ja Zeit und nahmen es gelassen), gabs dann plötzlich doch noch – welch Wunder – ein Zimmer für uns, sogar mit riesigem Bett und kostenlosen Wifi. Also nochmal alles gut gegangen und wir konnten endlich zum Sightseeing aufbrechen. Die Fahrt mit dem TukTuk durch die Stadt hat jedoch keinen Spaß gemacht, da wahnwitziger Verkehr und höllische Abgase. Wohingegen in Südostasien viele mit Atemmaske im Straßenverkehr unterwegs sind und es auch richtige Kampagnen seitens der Regierung gibt, ist das noch nicht bis nach Indien vorgedrungen. Es ist wirklich gesundheitsschädlich, hier jeden Tag den Qualm einzuatmen, uns wird schon von einer kurzen Fahrt leicht schlecht und wir bekommen Kopfschmerzen. Es gibt Menschen hier, die wohl fast ihr ganzes Leben am Rande der Straße verbringen… Und auch in Bangalore haben wir wieder Männer gesehen, die sich für ein Nickerchen auf dem gerade mal einem Meter breiten Bürgersteig an der Auffahrt zu einem Highway gelegt haben, wo pro Minute bestimmt Hunderte wie wild hupende Fahrzeuge vorbei rasen. Absolut verrückt, das ist echt nicht zu verstehen.
Aber zurück zum Sightseeing: Wir besuchten den Bengaluru-Palast, der dem Schloß Windsor nachempfunden ist und in dem früher der Maharadscha gelebt und zu Bällen und Empfängen eingeladen hat. Danach ging’s zum Palast Tipu Sultans und zum wuseligen städtischen Markt, wo man sich fragt, wie die Einheimischen dieses Chaos und den Lärm täglich aushalten. Hier in Indien ist es extrem anstrengend, einfach so durch die Straßen zu schlendern, weil es total voll ist, von vorn und hinten TukTuks, Mopeds und Autos kommen und man höllisch aufpassen muss, nicht an- oder überfahren zu werden (Fußgänger sind die schwächsten Glieder in der „Verkehrskette“, und gebremst wird schonmal gar nicht). Bürgersteige gibt es zwar ab und an aber die werden eigentlich nicht benutzt bzw. sind mit Marktständen, schlafenden Menschen oder sonstigem belegt.
Trotzdem erhielten wir in Bangalore noch einmal einen guten Einblick in das indische Straßenleben und die Märkte, haben dafür aber nur wenig vom modernen Bangalore mitbekommen, was sich allerdings auch eher an den Stadträndern befindet (dort sind die großen IT Parks angesiedelt, die quasi eine „Stadt in der Stadt“ sind – zb der Campus der Firma infosys: parkähnlich angelegt, mit Banken, einem Supermarkt, Restaurants, einem Hotel und die Mitarbeiter bewegen sich mit Fahrrädern oder elektrischen Golfbuggies von einem Gebäude zum nächsten). Im Zentrum Bangalore’s gehts auf jeden Fall überwiegend typisch indisch und weniger modern zu, als wir dachten.
Leider war unser Aufenthalt hier auch nur sehr kurz, denn am Freitag, den 25.11. gings morgens schon wieder weiter in den Norden Indiens. Bangalore ist im jedem Fall eine sehr freundliche aber auch unglaublich volle und stressige Stadt, in der es sicher noch viel mehr zu entdecken gibt!

Coming next: Der raue Norden. Erste Station – Ahmedabad



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